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ZURUECK ZUM HAUPTMENUE

--- News und Berichte ---

 

Nr.IV: AFRIKA SUED

17.09.2007 (Aequator) bis 09.01.2008 (Kapstadt)

 

 

14.01.2008, Perth (Australien): Nach gemuetlichen Tagen am suedlichsten Punkt Afrikas, packen wir unsere Raeder und brechen in Richtung Kapstadt auf. Lange fahren wir nicht in diese Richtung, denn am Parkplatz eines Supermarktes werden wir von einer Familie in ihr Ferienhaus nach Arniston (in die entgegengesetzte Richtung  am Strand) eingeladen. Wir nehmen an und verbringen zwei Tage bei ihnen. Ueber eine schoene und stuermische Kuestenstrasse rollen wir nach Bettys Bay. Hier bleiben wir ein paar Sonnenuntergaenge lang und stossen mit Freunden auf das Neue Jahr an, machen unsere ersten Surfversuche (Philipp hat noch immer Kreuzweh von den vielen Stuerzen...) und wandern in der Umgebung. Ueber Stellenbosch, die beruehmte Wein- und Universitaetsstadt geht es schliesslich endgueltig nach Kapstadt. Auch in der Grossstadt werden wir von Leuten aufgenommen, die wir unterwegs kennen gelernt haben. Die Gastfreundschaft und das Vertrauen uns gegenueber ist in diesem Land unglaublich! Wohnungsschluessel, Internet-Login und Auto stellt man uns einfach so zur Verfuegung! Da die Raeder schon flugfertig in Kartons verpackt sind, machen wir ausnahmsweise einen Ausflug per Auto – runter zum Kap der Guten Hoffnung. Am 09.01. verlassen wir Kapstadt und fliegen nach Perth, West Australien. Hier schluepfen wir bei einer freundlichen neun(!)koepfigen Familie unter und schlafen uns erst einmal richtig aus, nach zwei Tagen in der Luft und auf Flughaefen, (Weltweit Leute kennenlernen und gratis uebernachten: www.hospitalityclub.org, www.couchsurfing.com, www.warmshowers.org). Wir sehen uns die Stadt an und kuemmern uns um unsere Ausruestung: die Raeder werden runderneuert und unsere „sieben Sachen“ werden reduziert  bzw. werden Stuecke ersetzt. Langsam sind wir organisiert und starten zu unserer Fahrt rund um den „neuen“ Kontinent...

 

   

 

  

 


24.12.2007, Kap L'Agulhas - der suedlichste Punkt in Afrika (Suedafrika): Nach ein paar erholsamen Tagen in Windhoek rollen wir weiter in Richtung Sueden. Es ist fuerchterlich heiss, trocken und die  Distanzen zwischen den Versorgungs- und Uebernachtungsmoeglichkeiten werden extrem lang. 150 Kilometer an einem  Stueck zu fahren steht an der Tagesordnung. Rueckenwind begleitet uns durch die flachwellige Huegellandschaft und blaest uns ueber den suedlichen Wendekreis.  Die hoeheren Straecher und Buesche verabschieden sich und trockene, holzige Grasbueschel sind das einzige, was hier noch "waechst". Trotzdem gibt es Landwirtschaft. Wie im ganzen Land faehrt man Tag um Tag an endlosen Zaeunen entlang - wild Campen ist fast ein Ding der Unmoeglichkeit. War es weiter im Norden die Rinderzucht, so ist es hier im Sueden die Schafzucht, die das Land in umzaeunte Grossparzellen teilt - fuer nur ein Schaf benoetigt man 11 ha - rentabel wir es ab 300 Schafen! Hier in der Mitte des Nichts fahren wir unsere lÁängste Etappe der bisherigen Reise: 216,24 Kilometer (siehe Superlative). Zur "Belohnung" erreichen wir abends eine Besonderheit: wir zelten zwischen Granitbloecken und Koecherbaeumen.  In Richtung suedafrikanische Grenze wird es landschaftlich abwechslungsreicher. Granitruecken und -bloecke praegen das Bild. Wir uebernachten am Ufer des Oranje, dem Grenzfluss zwischen Namibia und Suedafrika - eine gruene Oase im staubig-trockenen  Rundherum. Am darauffolgenden Tag ueberqueren wir den Fluss und befinden uns bereits im letzten afrikanischen Staat unserer Reise. Nach wie vor liegen kaum Orte auf den ersten paar hundert Kilometern, trotzdem aendert sich fuer uns einiges. Massive, steile, lange Anstiege und die Strasse windet sich durch das Huegel- und Berggewirr. Permanent fegt uns der Wind aus suedlicher Richtung entgegen, bremst uns im Bergab auf 14 km/h und im Flachen auf 8 km/h herunter. Das Fahren wird zum Kampf und die gewohnten 150 Kilometer, die wir im flachen Namibia bereits am fruehen Nachmittag in den Beinen hatten, zu einer utopischen Zahl.  Die Landschaft ist jedoch spannend und abwechslungsreich. Berge, kleine Taeler (die wir immer nur queren), verschiedene Gesteine und Verwitterungsformen. Auch die Vegetation hat sich drastisch geaendert. Das steppenhafte Grasland ist einem bunten Teppich aus Sukkulenten mit dicken Blaettern und matt-gruenen, niedrigen Bueschen gewichen. Die Sommer sind hier heiss und trocken, trotzdem erleben wir zu unserem Erstauen zwei Regentage, an denen heftige Gewitter ueber uns nieder gehen. Aus den Autos werden Daumen herausgehalten, es wird gewunken und manchmal sogar angehalten, um uns anzubieten, uns in den naechsten Ort zu fahren - das muessen wir leider ablehnen :-) Wo auch immer wir halten sind die Menschen freundlich und interessiert. Wir uebernachten in einem Dorf bei einer Umweltschuetzer- und Kuenstlerfamilie, die uns zu sich einlaedt und bleiben einen Tag spaeter in Vansrhyndorp stecken, da der Wind so heftig aus Sueden blaest, dass man nicht dagegen radeln kann. Die naechsten Tage geht es vom Wind her besser, dafuer gibt es immer mehr LKWs auf der viel zu schmalen Strasse ohne Seitenstreifen. Kommen sich zwei Lastwagen entgegen wird es eng - kein Platz fuer Pedalritter. Die Strasse windet sich sehr unuebersichtlich um Huegel und Berge - es ist einer der gefaehrlichsten Abschnitte der Reise. Ploetzlich wird es  immer gruener. Riesige Wein- u. Obstplantagen, Kuerbisfelder, Baeume und Wiesen. Dann zweigen wir endlich von der Hauptstrasse ab und fahren auf kleinen Strassen mit wenig Verkehr durch fruchtbare Taeler durch das suedafrikanische Weinland. Alpine Landschaften - ja, richtige Berge!!!, schoene Zeltplaetze, gute Weine. Suedafrika ist ein seltsames Land. Das oeffentliche Leben ist weiss. Riesige Farmen mit weissen Besitzern, grosse Autos mit denen (fast ausschliesslich) nur weisse fahren, Campingplaetze und Backpackers in denen dich die weissen Besitzer begruessen... Schwarz sind (jetzt mal simpel ausgedrueckt) die Kassierdame, der Tankwart, die Putzfrau und die Typen, die vor den Alkoholgeschaeften und Supermaerkten herumhaengen. Die Orte sind pico-bello gepflegt und weiss dominiert. Rundum Townships: Siedlungen aus kleinen, huettenartigen Haeuschen, Muell und keine Autos.  Hier ist irgendetwas komplett verkehrt. Ein Traktor stoppt. Ein alter, netter Herr klettert herunter und schenkt uns leckere Pfirsiche. Zur Verabschiedung gibt er uns noch eine Warnung mir auf den Weg: "Nehmt euch vor den Leuten in acht!" Wir schauen verdutzt. "Die mit den dicken Lippen und den Lockenkoepfen. Die sind schlecht!" Dann knattert er davon und laesst uns in unsere Staunen zurueck. Manchmal glaubt man hier wirklich man hoert nicht richtig - was da so von manchen (duennen) Lippen kommt ist haarstraeubend rassistisch. Wir kommen (trotz viel Gegen-und Seitenwind) schnell voran und aus den Bergen heraus ins huegelige Vorland im Sueden. Wir haben geplant Bruno, mir dem wir einen Monat lang gemeinsam geradelt sind (siehe getroffene Radler), am Kap L'Agulhas - dem suedlichsten Punkt Afrikas, der ueber eine Strasse erreichbar ist - wieder zu sehen und gemeinsam Weihnachten zu feiern. In Bredasdorp, einem kleinen Ort etwa 45 Kilometer vor dem Kap steigen wir bei einem Campingplatz ab. An einem Baum lehnt ein Rad. Bruno ist hier! Wir treffen uns also einen Tag frueher als geplant und strampeln am 23.12. die letzten Kilometer zum Kap L'Agulhas gemeinsam gegen den muskelquaelenden Gegenwind. Mittags stehen wir am Kap und blicken Richtung Antarktis!! Ein tolles Gefuehl! Peitschender Wind und aufgewuehltes Meer - berauschende Stimmung! Wir haben insgesamt 22.745 Kilometer vom  Anfang der Strasse in Norwegen (am Nordkap) bis zum  Ende der Strasse in Suedafrika (am Kap L'Agulhas) zurueckgelegt! Zeit fuer ein bisschen Erholung: wir werden heute verschwitzt und mit staubigen Raedern beim besten Hotel am Platz vorfahren und uns da 2 Naechte goennen, dank einem Hochzeitsgeschenkgutschein von Eva (Zeichnung von Alexander Zernin, www.kiwicomics.at)! Weihnachten werden wir gemeinsam mit Bruno am Kap verbringen, und dann gemuetlich nach Kapstadt rollen, von wo aus wir weiter nach Perth fliegen. 2008 wird das Australienjahr!

  

  


 

 

05.12.2007, Windhoek (Namibia): Die Fahrt von Lusaka nach Livingstone bei den Victoriafällen geht schnell. Wir haben guten Rückenwind und das Land ist durchwegs flach. Ständig schwarze Gewitterwolken im Nacken, aber nur selten erwischt uns ein Schauer. Nach wie vor sind wir als Dreierteam unterwegs. Wir sehen uns die Viktoriafälle an - sind zu dieser Jahreszeit ziemlich trocken, aber die Schlucht - ob mit oder ohne Wasser - ist spektakulär. Von Livingstone aus sind wir nur noch einen Tag gemeinsam mit Bruno unterwegs. Er zweigt nach einem ganzen Monat und über 3.000 gemeinsamen Kilometern in Richtung Botswana ab (siehe getroffene Radler). Wir haben die längere Strecke über Namibia nach Kapstadt gewählt, sollten wir trotzdem ähnlich schnell sein, haben wir vor,  Bruno dort wieder zu treffen. Die Landschaft ist flach, Buschland umgibt uns. Nur selten hören wir auf den letzten Kilometern in Sambia das Schreien und Kreischen der Kinder - es gibt kaum Orte. Wir kommen schnell voran und bei Katima Mulino überqueren wir die Grenze zu Namibia. Schon im Grenzort ein grosser Unterschied zu allen (!) bisher bereisten afrikanischen Ländern: gepflegte Gehsteige, Strassenlaternen, relativ viele Autos, gepflasterte Parkplätze, ATMs in Fojes  mit Klimaanlagen und riesige Einkaufszentren, in denen man sich alles und noch viel mehr kaufen kann. Hier treffen wir Tom wieder. Er und sein Freund Michael sind uns auf der „Mörderpiste“ im Norden Sudans auf ihren Motorrädern begegnet und wir haben eine Nacht gemeinsam am Nil gezeltet (siehe andere Vehikel, Eintrag vom 04/05.05.2007). Jetzt ist Tom gemeinsam mit seiner Frau Angela in ihrem Hi Luxe in Namibia unterwegs (siehe andere Vehikel, neuer Eintrag). Die beiden sind uns entgegen gefahren und wir verbringen gemeinsam drei schöne Tage mit herrlichen Übernachtungsplätzen an den Flüssen Kwango, Okawango und Zambesi. Täglich sind wir früh am Rad. Mittags haben uns Tom und Angie dann eingeholt und es gibt einen Boxenstop, wir werden mit Cola und Käsebroten verwöhnt. Dann fahren sie voraus und abends treffen wir uns  am Campingplatz wieder. Das Leben in Namibia ist für uns einfach: In jedem Ort (meisst liegt nur einer pro Tag auf unserer Strecke) gibt es alles, was wir an Lebensmitteln brauchen, und die Campingplätze haben grandiose Ausstattung - von eigenem Küchen- und Sanitärhaus, über Schattendächer, Aussichtsplattformen bis zu Schwimmbecken. Hunderte Kilometer fahren wir am Caprivistreifen nach Westen durch flache, eintönige Buschlandschaft: rechts Büsche, links Büsche. Kleine erschreckend arme Dörfer aus Strohhütten liegen an der Straße, bis wir Richtung Süden abzweigen und durch das Mururanitor fahren. Es ist eine Tierseuchen Grenze. Gleichzeitig das Ende des "wirklichen"  Afrikas. Danach:  keine Dörfer und Hütten neben der Strasse, nur noch kilometerlange Zäune und riesige Farmen. Willkommen im weissen Afrika! Ein erschreckender schwarz-weiss Kontrast: bestehend aus weissen, wohlhabenden Farmern, schwarzen Arbeitern und Buschmännern (und -frauen) - offensichtlich die unterste soziale Schicht - die die Strassenränder abgehen und Aludosen und PETflaschen suchen. Vor den Supermärkten herumlungernde, bettelnde Kinder (schwarz natürlich). Uns gegenüber ist man mehr als gastfreundlich. Wann ist Euch das schon passiert: 1 - gleich an unserem dritten Tag in Namibia bleibt ein Auto stehen und der junge Typ lädt uns in sein Camp im Nationalpark ein. 2 - Wir halten bei einer Lodge, um dort zu zelten. Die beiden Frauen, die den Platz führen fasziniert unsere Geschichte so, dass sie uns ein Zimmer gratis zur Verfügung stellen und meinen wir sollen uns hier mindestens 3 Tage erholen! Wir bleiben zwei und ernten böse Worte, da wir selber kochen und uns nicht im Lokal auch noch gratis bewirten lassen. 3 - wir zelten bei einer schönen Lodge auf einem gemütlichen Platz. Valeska hat Durchfall und wir beschliessen noch eine zweite Nacht zu bleiben. Die müssen wir nicht bezahlen. "Da Sie ja noch einen weiten Weg vor sich haben und überhaupt geniessen Sie es hier einfach!" meint der Besitzer. So viele Einladungen hatten wir bisher noch nirgends! Seitdem wir nach Süden abgezweigt sind haben wir die Regenzeit hinter uns gelassen. Die schwüle Hitze ist zu Ende und es ist heiss (bis zu 40 Grad) und trocken. Vor Windhoek sind wir zu Gast bei Axel und Susanne – Freunde von Tom und Angela, die uns zu sich einladen. Sie wohnen auf einer Farm. Dort erleben wir herrliche Sonnenuntergänge und können Zebras, Kudus und anderes Wild an der Tränke beobachten. Ein Platz zum Erholen! Nach zwei Tagen rollen wir weiter nach Windhoek. Eine Versorgungsstadt im heissen Nichts. Shoppingcenter, so gross, dass man sich verlaufen kann. Hier bekommen wir alles, was wir brauchen: Bei Philipps Rad ist die Felge endgültig gebrochen und auch unser Kocher hat vor ein paar Tagen seinen Geist aufgegeben. Wieder bestens ausgerüstet geht es nun weiter in die Zielgerade, dem Kap entgegen...

  

  


09.11.2007, Lusaka (Sambia): Nach einem Tag in Lilongwe machen wir uns Richtung Sambia auf. Am selben Tag erreichen wir die Grenze, wo man uns ein Monatsvisum in die Paesse klebt und ohne Probleme passieren laesst. Auch in Sambia ist die Verkehrsdichte gleich null – der Traum jedes und jeder Radreisenden. Die Menschen lachen und winken und die Kinder quietschen "Howareyou? Howareyou?" Die "Giv-e me" Mentalitaet ist zu Ende sobald wir in Sambia eingereist sind. Dafuer scheint uns der Beginn der Regenzeit einzuholen. Taeglich mindestens einmal ein haeftiger Guss. Wir treten kraeftig in die Pedale und fahren die fast 800 Kilometer von Lilongwe nach Lusaka in nur knappen sechs Tagen. Die Landschaft in Sambia ist erst langweilig – langgestreckte Huegel, mit Buschwerk – dann wird es interessanter – steile Huegel, kleine Schluchten, Kalksteinfelsen. Es ist anstrengend, wir fahren zum ersten Mal auf der gesammten Tour ueber 10 Stunden effektive Fahrzeit (siehe Superlative). Seit dem Sudan ist Sambia auch das am wenigsten dicht besiedelte Land durch das wir in Afrika gekommen sind – nach den Menschenmassen (vor allem in Aethiopien und Malawi) eine richtige Wohltat! Bruno (siehe getroffene Radler) ist nach wie vor mit uns unterwegs. Es macht Spass zu dritt am Weg zu sein und wir sind ein gutes Team… 

   


03.11.2007, Lilongwe (Malawi): Wir verlassen Dar Es Salaam in einem fuerchterlichen Verkehrsgewuehl, da treffen wir Bruno, einen franzoesischen Radler (siehe getroffene Radler). Er ist in die selbe Richtung unterwegs und nachdem wir uns abends, mittags und morgens staendig ueber den Weg "laufen" beschliessen wir gemeinsam zu radeln. Huegelig fuehrt uns die Strasse ueber das tansanische Hochland. Ein Highlight ist die Fahrt durch den Mikumi Nationalpark, wo wir vom Rad aus Bueffel, Elephanten, Giraffen und noch einige Tierchen mehr sehen! Die Einreise nach Malawi gestaltet sich nicht ganz so einfach wie wir es erhofft hatten. In Dar Es Salaam hat man uns kein Visum ausstellen koennen, da die Visa-Aufkleber ausgegangen waren (uns wundert wie so etwas ueberhaupt passieren kann). Aber man gibt uns ein Schreiben mit auf den Weg in dem steht, dass der Botschaft die Aufkleber ausgegangen sind... Das legen wir an der Grenze vor. Doch hier gibts auch kein Visum, weil es hier halt einfach keines gibt. Und wir bekommen nach langem Bitten und Betteln ein weiteres Schreiben mit auf die ersten Kilometer in Malawi, auf dem steht, dass der Botschaft die Aufkleber ausgegangen sind... und es an der Grenze kein Visum gibt. Wir haben fuenf Tage Zeit, um nach Mzuzu zu gelangen - hier gibt es das erste Immigrations Buero. Mzuzu erreichen wir am Wochenende - nicht gut - da hat dieses Buero natuerlich geschlossen... und sonst auch alles. Wir koennen nicht mal unsere Emails checken. Am Montag dauert es dann nur noch bis 12 Uhr mittags und wir haben unser Visum im Pass. Mehrere Male uebernachten wir am Malawi See. Es ist wunderschoen, doch verdammt heiss und schwuel. Abends in den See zu springen ist immer das Highlight des Tages. Malawi ist gruen und fruchtbar und wenn wir vom Seeufer wegfahren auch sehr gebirgig. Kaum motorisierter Verkehr. Die Strassen sind ein einziger Radweg. Ja, wir sind wieder in einem der aermsten Laender Afrikas unterwegs. Aber nicht nur vom Verkehrsaufkommen distanziert sich Malawi von Tansania und Kenia. Seitdem wir Aethiopien hinter uns gelassen haben  laufen "endlich" wieder hysterisch schreiende Kinder "Giv-e-me! Giv-e-me money!!" an die Strasse und hinter den Raedern her. Manchmal ist es fast zu viel... Sobald die Leute allerdings ueber das Kindesalter hinausgewachsen sind, sind sie extrem freundlich, hilfsbereit,... einfach nett! Nach einem langen Tag, an dem es nur bergauf ging, erreichen wir Lilongwe. Eine am Reissbrett geplante Stadt und (wie das restliche Land) ohne Verkehr. Bei Philipps hinterer Felge bricht eine Speiche aus. Nachdem auch in der Hauptstadt keine passende Felge aufzutreiben ist, wird umgebaut und professionell baut der Raddoktor unseres Vertrauens die vordere Felge nach hinten und die hintere nach vorne. Somit kommt jetzt wenigstens nicht mehr so viel Belastung auf das angeschlagene Ding... Morgen gehts weiter, nach wie vor zu dritt, in Richtung Sambia...

  

   


14.10.2007, Dar Es Salaam (Tansania): Es ist eine kurze Fahrt (3 Tage) bis zur Grenze nach Tansania. Wieder eine Einreise ohne Warten und Schikanen, schon befinden wir uns in unserem bisher 22. Land (siehe Länderliste). Der Tacho zeigt: 1.000 Stunden effektive Fahrzeit - uns wird endlich klar warum die Hinterteile schmerzen! Seitdem wir Addis verlassen haben fahren wir permanent gegen den Wind. In Tansania wird das fast unerträglich, zumal es gleichzeitig immer heisser wird. Wir haben die Hochländer verlassen und strampeln auf nur wenigen hundert Metern ueber dem Meer in stickiger Hitze durch eine freundliche Huegellandschaft. In Arusha (am Mt. Meru) und in Moshi (am Kilimanjaro) stoppen wir und geniessen das gemuetliche Flair der ersten kleinen Städte in Tansania. Fuer nur 5 Sekunden sehen wir den Kili, dann huellt er sich wieder in Wolken. Weiter geht es entlang der Usambaraberge nach Sueden. Eine wunderschoene fruchtbare Landschaft. Seit langem treffen wir wieder andere Radreisende (siehe getroffene Radler) und tauschen Erfahrungen aus. Am 09.10. feiern wir ein kleines Jubiläum - wir sind vor genau einem Jahr am Nordkap gestartet! Das gibt eine extra grosse Portion Reis mit Gemuese! Seit langem wieder einmal ein Tag auf einer Schotterpiste, und wir erreichen bei Bagamoyo den Indischen Ozean. Weisse Strände, Palmen und Fischerboote. Nur noch ein Tag Radfahren und wir kommen nach Dar Es Salaam, wo wir bei unserer Freundin Minou wohnen und die Vorzuege der Grossstadt (z.B. Internetzugang) geniessen... Schaut euch mal das Projekt unter Hilfe fuer Afrika an, das Minou aufgezogen hat.

  

 

 


29.09.2007, Langata bei Nairobi (Kenia): Wir sind von Basecampexplorer in die Masai Mara eingeladen. Basecampexplorer ist dasselbe Unternehmen, fuer das wir mehrere Saisonen auf Spitzbergen als Guides gearbeitet haben (Spitzbergenbilder gibts auf www.philipp-schaudy.net zu sehen). Basecamp Masai Mara ist eine der drei Oeko-Tourismus Lodges in Kenia und die einzige in der Masai Mara. Wasser wird wiederverwertet, mit Solarenergie Strom erzeugt, alles ist Bio und es wird versucht den menschlichen Eingriff in die Natur so klein wie moeglich zu halten. Ein tolles Projekt! Wir wollen mit dem Rad in die Masai Mara rollen, doch wird uns davon stark abgeraten. Zu viele Tiere im Busch, die vielleicht auch gerne mal Radfahrer knabbern wuerden... Also lassen wir die Raeder in Nairobi und nehmen Minibusse, um in die Mara zu gelangen. Ein Hoellenritt! Eine fuerchterliche Strasse (spaeter Piste) und der Fahrstil... kein Kommentar! Doch wir erreichen Basecamp lebendig und beziehen eines der huebschen und luxurioesen Basecamp-Zelte. Man nimmt uns auf Ausfluege mit, wir sehen Loewen, Giraffen, Bueffelherden, Strausse, Flusspferde,... uebernachten eine Nacht im Bushcamp - einem Zeltlager, draussen bei den Tieren und wandern mit unseren Masai Guidekollegen durch die Steppe. Alles in allem ein absolutes Highlight unserer bisherigen Reise!! Schaut mal auf die Basecamp Homepage: www.basecampexplorer.com. Zurueck gehts wieder mit Kleinbussen - diesmal zum Glueck nicht mit Hoechstgeschwindigkeit. Wir schluepfen bei Anette, die wir in der Mara kennengelernt haben, unter und bringen unsere Sachen in Ordnung, bevor es Richtung Tansania weitergeht...

  

  


22.09.2007, Nairobi (Kenia): Im Zickzack fahren wir am Aequator entlang und ueberqueren den selben noch weitere zwei mal. Anstrengendes Radeln gegen den Wind und ueber unzaehlige Huegel. Landschaftlich wunderschoen und wir sehen Giraffen, Antilopen, Affen und Zebras neben der Strasse. Verglichen mit Aethiopien wirkt Kenia auf uns extrem entwickelt. Es gibt richtige Haeuser, auf den Strassen fahren Autos und LKWs und in den Geschaeften gibt es mehr als nur Tomaten und Zwiebel. Radeln durch den Hellsgate National Park und kommen nach Nairobi, wo wir in einem Vorort am Zeltplatz entspannen...

 

 


17.09.2007, Nanyuki (Kenia): Wir verlassen Addis in Richtung Sueden. Komischerweise erwischen uns die Niederschlaege nie wenn wir am Rad sitzen :-) Wir stoppen fuer einen Tag in Awassa - unserer Meinung nach die am meissten relaxte Stadt in Aethiopien. Danach gehts so richtig zur Sache. Es ist extrem huegelig (physisch anstrengend) und es gibt ueber Tage keine Minute (wir haben jede Sekunde mitgestoppt) ohne dass uns mindestens zehn bis hundert Kinder You-You-Youend hinterherlaufen (psychisch anstrengend). Trotzdem wirken die Menschen hier viel weniger aggressiv als im Norden des Landes. Kein einziger Stein wird geworfen! Die letzten drei Tage vor der kenianischen Grenze wird es trocken und es ist nur noch sehr duenn besiedelt - was fuer eine Erholung. Die Grenzabwicklung ist unproblematisch. Linksverkehr und der Asphalt endet. 534 Kilometer Schotterpiste von feinster kenianischer Machart - das ist der "Trans East African Highway". Grober Schotter, feiner Schotter, grosse Steine, kleine Steine, Sand und Staub. Zum Fahren ist die Strecke mit dem Fahrrad kaum. An unserem schlechtesten Tag hatten wir einen Schnitt von 6 km/h und abends gerade 50 Kilometer zurueckgelegt. Dazu kommen permanenter starker Gegenwind, hunderte von Tse-Tse-Fliegen, die uns um die Ohren fliegen und die Hitze der Wueste mit ueber 40 Grad. Nur wenige kleine Doerfer am Weg, wo wir Wasser und die noetigsten Lebensmittel bunkern und bei Missionen oder Schulen uebernachten. In der Mitte der Strecke liegt Marsabit. Hier stoppen wir fuer zwei Tage und schuetteln die Beine aus. Dann geht es weiter ueber die endlose Wellblechpiste. Nach insgesamt 10 Tagen erreichen wir Isiolo und die Strasse ist wieder asphaltiert. Die Menschen am Weg sind freundlich und verglichen mit Aethiopien ist das Rollen durch Orte und Doerfer fast Urlaub. Die Idee auf den Mt. Kenia zu steigen, verwerfen wir aufgrund des permanent schlechten Wetters um den Berg - jeden Tag haeftige Regenfaelle - und fahren weiter nach Sueden. Bei Nanyuki ueberqueren wir den Aequator. Vom Nordkap bis hierher sind es 15.000 Kilometer :-) Und hier koennen wir bei Nick unsere Seite updaten (www.riftvalleyadventures.com).

  

  


  

   

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