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ZURUECK ZUM HAUPTMENUE

--- News und Berichte ---

 

Nr.V: Australien I

09.01.2008 (Perth) bis 23.03.2008 (Melbourne)

23.03.2008, Melbourne (Victoria): Adelaide braet in der Hitzewelle (16 Tage ueber 40 Grad) als wir nach erholsamen Tagen (in klimatisierten Raeumen) wieder auf die Raeder steigen. Auf den langen Steigungen durch die “Adelaide Hills” rinnt der Schweiss in Stroemen, aber es ist gruen und lieblich. Es dauert nicht lange und wir rollen wieder durch endloses, trockenes und schattenloses Farmland. Wir machen einen kleinen Umweg, um Freunde von Freunden auf ihrem abgelegenem Hof zu besuchen – eine Stierfarm - und schlagen danach wieder die Suedrichtung ein. Permanent blaest der Wind. Nach so viel Gegenwind seit unserem Australien-Start vor gut zwei Monaten, haben wir schon lange die Hoffnung auf Rueckenwind aufgegeben. Doch auf einmal aendert sich etwas im Schema. Es blaest nun auch von links, von rechts, natuerlich von vorne, aber ploetzlich und unerwartet auch mal von hinten! Wir sind hin und weg und treten vergnuegt in die Pedale. Weht uns jedoch  der Gegen- oder Seitenwind nicht mehr die unzaehligen Fliegen aus dem Gesicht, halten sie sich genau dort bevorzugt auf und bringen uns mitunter zur Weissglut. Die Australier bezeichnen diese nervenden Fluegeltierchen auch als “sticky flies” (klebende Fliegen) – sie kriechen gezielt in Ohren, Nasenloecher und unter die Sonnenbrille. Wir schlagen mit den Armen wie verrueckt vor unseren Gesichtern herum (das nennen die Australier “australian saluting” - Australisches Salutieren), aber nachdem diese Fliegen eben “sticky” (klebend) sind, kriechen sie unbehelligt weiter in Richtung Gehoergaenge, Augen und unter die Brillen, bis wir uns entweder selbst geohrfeigt oder die Brille schief geschlagen haben. Das einzige, das uns so manche Tage vor dem absoluten Wahnsinn rettet, ist das Ueberziehen einer Ganzkopf-Muetze aus Fliegengitter. Ueber die Kraterseen von Mt. Gambier, erreichen wir bei Portland wieder die Kueste und strampeln nach Warrnambool. Waehrend Valeska einkaufen ist, werde ich auf dem Parkplatz von einer Fahrrad-Familie angequatscht. Vater und Soehne sind gerade ein Strassenrennen gefahren und laden uns zum Uebernachten ein. Erst schlafen wir bei einer ihrer Bekannten in Warrnambool, am naechsten Tag radeln wir eine Extraschleife von gut 70 Kilometern (gegen den Wind und in einem Schwarm Fliegen, der auch gegen den Wind gut mithaelt), um unsere neuen Freunde zu besuchen, die zwischen Kraterseen in den Huegeln bei Camperdown wohnen. Hier lernen wir die australische Radlegende Clyde Sefton kennen - der beruehmteste Radler, der uns bisher ueber den Weg gelaufen ist (siehe getroffene Radler). Nach einer fliegengesaettigten Fahrt zurueck an die Kueste folgen wir der “Great Ocean Road” in Richtung Melbourne. Das Wetter ist grandios und die Szenerie phantastisch. Die Strasse windet sich entlang steiler Kuesten, flacher Straende und durch herrliche Waelder. Wir sehen Koalas in den Baeumen und treffen Stefan und Christine, mit denen wir vor einem Jahr unsere ersten Tage in der Tuerkei geradelt sind (siehe News und Berichte: Vorderasien. Und getroffene Radler alter und neuer Eintrag). Sie sind in den letzten 12 Monaten im Nahen Osten und Asien geradelt und schliessen jetzt ihre Reise mit dem Luxus von “ein Monat Mietwagen in Australien” ab. Es ist toll die beiden wieder zu sehen und Geschichten und Erfahrungen von verschiedenen Kontinenten auszutauschen. Tagsueber sind wir getrennt unterwegs, jedoch treffen wir uns an drei Abenden, um gemeinsam zu zelten. Dann flitzen die beiden weiter nach Norden und wir suchen uns ueber einen miserabel ausgeschilderten Radweg, der im Industriegebiet Melbournes endet, in die Grossstadt. Ueber die Radlerhomepage www.warmshowers.org lernen wir Craig und Nycole kennen, auf deren Haus wir ueber die Osterfeiertage „aufpassen“, beginnen unsere naechsten Etappen zu planen und feiern gemuetlich Ostern…

  

 

 

 


 

05.03.2008, Adelaide (Sued-Australien): Wir verlassen Ceduna und rollen weiter in Richtung Osten. Da wir uns von der Kueste entfernen, ist der Wind nun nicht permanent so stark wie in den Wochen davor, aber stark genug, um uns zu bremsen. Farmland erstreckt sich links und rechts der Strasse bis an den Horizont. Abgeerntete, staubige Felder, auf denen Schafherden versuchen Fressbares zu finden. Kaum ein Baum. Das Land ist ausgetrocknet und duerstet nach Regen. Es ist schwierig, in der baum- und buschlosen Gegend versteckte Zeltplaetze zu finden. In Port Augusta kommen wir kurz an die Kueste und in die groesste Stadt seit wir den Suedwesten Australiens verlassen haben.  Jetzt aendern wir die Richtung und fahren suedwaerts. Auch der Wind aendert seine Richtung und blaest jetzt verstarkt nordwaerts. Ueber den huebschen Horrocks Pass kommen wir in weite Taeler. Das Land wird zusehends gruener. Wein und Obstplantagen liegen verstreut zwischen den trockenen Feldern. Dicke Eukalyptusbaeume aus deren Kronen Kakadus zu uns herunter kreischen saeumen die Strasse und kleine Orte, in denen wir Wasser und Lebensmittel bekommen, liegen immer dichter aneinander. In einem Dorf mit "general store" (= Lebensmittel-, Schreibwaren-, Krims-Kramsladen + Post in einem!), namens Wirrabara, machen wir einen Tag Pause und uebernachten bei Freunden auf einer Farm. Am Vormittag sind wir eingeladen  in der Schule ueber unsere Reise zu erzaehlen – 40 Kinder hoeren gespannt zu und stellen viele Fragen, nachmittags fahren wir das grosse Farmgelaende ab, staunen ueber die riesigen Maschinen und bekommen den Schaf-Scheer-Stall  erklaert. Zwei Radtage spaeter erreichen wir Adelaide - seit unserem Start in Perth die erste Grossstadt. Hier kommen wir bei den netten Nettings (Freunde von Freunden) unter, geniessen die Grossstadt und planen unsere weitere Route...

  

 

 


21.02.2008, Ceduna (Sued-Australien): Wir verlassen Esperance in Richtung Norden. Nach zwei Tagen kommen wir zum Beginn der Strecke durch die Nullarbor (nullus = kein, arbor = Baum) Ebene – 1.200 Kilometer direkt nach Osten - durch weites, teils baumloses Nichts bis zur naechsten Kleinstadt Ceduna. Wie verrueckt stuermt uns der Suedostwind entgegen. Wir wissen, dass er zu dieser Jahreszeit nicht aufhoeren wird uns ins Gesicht zu blasen. 11 Tage brauchen wir fuer die Strecke. 11 Tage kontinuierlicher Kampf gegen das Element Wind. Es ist zum Verrueckt werden! Oft schaffen wir es nicht, schneller als 10 km/h zu fahren. Heiss soll es hier sein. Sommer. Anfangs peitscht uns Regen entgegen. Es ist kalt und ungemuetlich. Dann aendert sich das Wetter und die Temperaturen steigen auf ueber 50 Grad. Baum- und schattenlose Landschaft. Roadhaeuser liegen am Weg, bei denen wir Wasser auffuellen koennen. Die Abstaende zwischen den Roadhaeusern liegen teilweise bei ueber 200 Kilometern, so haben wir bis zu 30 Liter Wasser dabei. Der Wind macht uns wahnsinnig und ist zermuerbend. Nachts hoert er auf und beginnt mit Sonnenaufgang. Wir beginnen nachts zu starten und fahren die ersten 3 Stunden des Tages in mondloser Nacht. Grandiose Sonnenaufgangsstimmungen und wir sehen viele der nachtaktiven Tiere: hunderte Kaenguruhs, Dingos, Wombats, Kaninchen,... Endlich haben wir uns an das Aufstehen in der Nacht gewoehnt, da aendert sich wieder alles. Heisse Wuestenstuerme aus Nordost (also ebenfalls Gegenwind) beginnen ueber Nacht zu wehen und werden mittags von den noch staerkeren Suedostwinden abgeloest! Die letzten beiden Tage schiebt sich auch wieder eine regenbringende Front ueber das Land. Es ist kalt, nass und nach wie vor windig. Wir treffen zwei andere Radler, Jordan und Anthony (siehe getroffene Radler) – sie sind (wie wir) am Verzweifeln und fahren nur noch nachts. Nach 11 Tagen erreichen wir an einem verregneten Tag die Kleinstadt Ceduna – das Ende der Nullarbor Strecke und leisten uns zur Belohnung fuer all die Qualen eine Container-Huette am Campingplatz. Wir treffen Jordan und Anthony, die zwei Stunden vor uns eingeritten sind und feiern das Ende des Wahnsinns...

 

  

  


05.02.2008, Esperance (West-Australien): Nachdem die Raeder wieder auf Vordermann gebracht sind und wir von Northland unser neues Zelt bekommen haben, brechen wir Richtung Sueden auf. Die ersten paar hundert Kilometer "fahren" wir am Munda Biddi Trail, einem Radweg, durch die Waelder. Harte Arbeit! Der Weg ist oft nicht viel mehr als ein sandiger, steiniger und steiler Fusspfad und weckt Erinnerungen an die boesen Pistenkilometer im Nord-Sudan und in Nord-Kenia (siehe News und Berichte: Afrika Nord). Doch der Eukalyptuswald ist wie aus dem Bilderbuch, voll mit Papageien und Kaenguruhs, und unsere Zeltplaetze sind ruhig und einsam. Nach vier Tagen spueren wir wieder Asphalt unter den Raedern. Waldbraende lodern in der Ferne. Auf Nebenstrassen schlaengeln wir uns an die Suedkueste. Riesenbaeume (ueber 80 Meter hoch) und phantastische Straende wie aus dem Werbeprospekt erwarten uns dort. In Denmark stoppen wir fuer zwei Tage bei Murray und Jill - Freunde von Freunden von Freunden. Die Australier sind sehr gastfreundlich und "easy going". Zwischen den Versorgungsmoeglichkeiten (v.a. Wasser!) sind die Distanzen teilweise bereits bis ueber 100 Kilometer lang. Manchmal stoppen Autos und Leute fragen ob wir Wasser oder Hilfe brauchen. Einmal haben wir einen richtigen Boxenstop, als ein hollaendisches Paerchen anhaelt und uns mit Cola, Keksen und Erdbeeren versorgt (siehe Andere Vehikel). Jeden Abend finden wir einen traumhaften Zeltplatz im einsamen Busch. Das letzte "Roadhouse" 70 Kilometer hinter uns, das naechste 60 Kilometer voraus... Kreischende Papageien in den Baeumen, Grillen zirpen bis die Sonne untergeht und nachts hoeren wir die Kaenguruhs in der Dunkelheit vorbeispringen. Es gibt eine verdiente Portion Schlaf bis mit Sonnenaufgang die Singvoegel zu zetern und piepen beginnen. Regentage folgen. Nieselregen und Gegenwind mindern unser Tempo entlang der Kueste bis wir letztendlich Esperance erreichen. Ein kleiner Ort, der sich ruehmt die besten (und weissesten) Straende Australiens zu haben - maerchenhaft! Wieder sind wir bei einer Familie zu Gast und blicken von deren Wohnzimmerfenster hinaus auf das stuermische Meer. Wir goennen uns zwei Tage Pause: Spazieren am Strand; Bootausflug der Kueste entlang, wo wir Seeloewen und Robben sehen; Homepage aktualisieren, Waesche waschen... Nun sind wir bereit die Nullarbor Ebene (nullus arbor = kein Baum), 1160km "nur Gegend", in Angriff zu nehmen. Der Wetterbericht verspricht nichts Gutes - stuermischer Suedostwind und Schlechtwetter stehen uns bevor....

 

   

 

  

 


 

14.01.2008, Perth (West-Australien): Nach gemuetlichen Tagen am suedlichsten Punkt Afrikas, packen wir unsere Raeder und brechen in Richtung Kapstadt auf. Lange fahren wir nicht in diese Richtung, denn am Parkplatz eines Supermarktes werden wir von einer Familie in ihr Ferienhaus nach Arniston (in die entgegengesetzte Richtung  am Strand) eingeladen. Wir nehmen an und verbringen zwei Tage bei ihnen. Ueber eine schoene und stuermische Kuestenstrasse rollen wir nach Bettys Bay. Hier bleiben wir ein paar Sonnenuntergaenge lang und stossen mit Freunden auf das Neue Jahr an, machen unsere ersten Surfversuche (Philipp hat noch immer Kreuzweh von den vielen Stuerzen...) und wandern in der Umgebung. Ueber Stellenbosch, die beruehmte Wein- und Universitaetsstadt geht es schliesslich endgueltig nach Kapstadt. Auch in der Grossstadt werden wir von Leuten aufgenommen, die wir unterwegs kennen gelernt haben. Die Gastfreundschaft und das Vertrauen uns gegenueber ist in diesem Land unglaublich! Wohnungsschluessel, Internet-Login und Auto stellt man uns einfach so zur Verfuegung! Da die Raeder schon flugfertig in Kartons verpackt sind, machen wir ausnahmsweise einen Ausflug per Auto – runter zum Kap der Guten Hoffnung. Am 09.01. verlassen wir Kapstadt und fliegen nach Perth, West Australien. Hier schluepfen wir bei einer freundlichen neun(!)koepfigen Familie unter und schlafen uns erst einmal richtig aus, nach zwei Tagen in der Luft und auf Flughaefen, (Weltweit Leute kennenlernen und gratis uebernachten: www.hospitalityclub.org, www.couchsurfing.com, www.warmshowers.org). Wir sehen uns die Stadt an und kuemmern uns um unsere Ausruestung: die Raeder werden runderneuert und unsere „sieben Sachen“ werden reduziert  bzw. werden Stuecke ersetzt. Langsam sind wir organisiert und starten zu unserer Fahrt rund um den „neuen“ Kontinent...

 

   

 

  


  

   

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