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ZURÜCK ZUM HAUPTMENÜ --- News und Berichte --- Nr.XIV: USA 27.12.2011 (Los Angeles) bis ??? (Miami)
21.02.2012, Now Orleans, Fasching - "Mardi Gras" (Louisiana): Mit der aufgehenden Sonne starten wir in Baton Rouge. Es ist eine weite Strecke (150 Kilometer) bis New Orleans. Doch nach langen Abschnitten gegen den Wind in den vergangenen Tagen, weht er heute den ganzen Tag lang kräftig von hinten. Über große Straßen, durchs Industriegebiet und letztendlich auf einem Radweg entlang des Mississippis erreichen wir New Orleans. Die alten, hübschen Häuser und schattigen Alleen punkten bei uns bereits auf unseren ersten Kilometern durch die Stadt am Weg zu unseren Gastgebern Gilly und Mark. Herzlich werden wir aufgenommen und wohnen in einem der schön restaurierten alten Holzhäuser. Doch New Orleans punktet bei uns nicht nur durch sein koloniales und gemütliches Flair... Es ist Fasching, "Mardi Gras", und die Stadt kocht und brodelt voll Energie. Bereits seit zwei Wochen (!) gibt es täglich Paraden, Bälle, Konzerte und Partys. Am Faschingsmontag und –Dienstag schmeißen wir uns buchstäblich ins Getümmel. Wir lauschen bei einem Jazz-Blues-Schnulzen-Rap-Festival mit verschiedenen Bühnen am Fluss der Musik, saugen uns die Stimmung rein. Zur Abwechslung gibt’s ein kleines Feuerwerk, bevor wir zu unserer ersten Nachtparade pilgern. Zigtausende Menschen säumen die Straßen. Die Wägen sind aufwändig gestaltete Kunstwerke, von denen Leute in Verkleidung Perlen, Stofftiere und anderes Klimbim in die Massen werfen. Die Stimmung und Energie ist einfach einzigartig! Täglich gibt es zwei bis sechs solcher Paraden (zu verschiedenen Themen), die kreuz und quer durch die Stadt ziehen. Am nächsten Tag, dem Faschingdienstag, schauen wir uns eine weitere Parade an – diesmal bei Tageslicht. Es ist ein richtiges Volksfest. Familien haben Picknicksessel und Griller dabei. Alle sind in irgendeiner Form verkleidet. Über sechs Stunden lang (!) ziehen Wägen vorbei und werden Perlen in die abertausenden jubelnden Menschen geworfen! Später schauen wir uns in der Innenstadt, dem "French Quater" um. Hier schiebt man sich durch die Gassen, es wird getanzt, getrunken und die Maskierten werfen sich für Fotos in Pose. Die ganze Stadt steht auf dem Kopf! Eine rechte Kirchenbewegung demonstriert mit boshaften Parolen wie "Homo Sex is a Sin", "The Wicked Shall be Turned Into Hell" und "Jesus Hates Mardi Gras" in mitten der ausgelassenen Gesellschaft. Verwunderlicherweise werden sie toleriert und gehören (angeblich) genauso zu "Madi Gras" wie die Halbnackten und die Jazzbands. Alles in allem werden es unvergessliche Tage in dieser verrückten, wunderschönen und unvergleichbaren Stadt! 

















18.02.2012, Baton Rouge (Louisiana): Von Canyon Lake dauert es nur einen Tag bis wir Austin, die Hauptstadt von Texas, erreichen. Unser Gastgeber Shaun (warmshowers.org) führt uns in das Geschehen der Stadt ein. Wir besuchen ein Konzert in einem Plattenladen, kaufen Pizza bei einem der "Standel", die es in der ganzen Stadt gibt, spazieren durch die verregnete Stadt und bekommen nach langer "Pause" endlich wieder qualitativ hochwertige Lebensmittel im Biosupermarkt "Wholefoods". Schwer beladen mit Bioprodukten rollen wir hinaus aus der jungen und etwas anderen Stadt und befinden uns sofort wieder im tiefsten "Redneck"-Texas. Große Pick-up-Trucks sind Verkehrsmittel Nummer eins, viele Orte sind von Armut gezeichnet und Parolen an den Zäunen und Häusern sind eindeutig und reichen von "Stay out" über "God bless America" bis "If you steal, I will kill". Wir lernen Leute kennen, deren Hobby es ist nachts mit 4x4 Fahrzeugen und jeder Menge Bier im Körper durch die Wälder zu brettern, um auf Waschbären und Wildschweine zu schießen – "just for fun" versteht sich. Es ist eine interessante Fahrt durch ein Amerika, dass man nicht einmal aus dem Film kennt. Menschen leben in "Trailern", "Mobilehomes" und Autowracks; Müll jeglicher Art wird einfach verbrannt oder liegt meist vor den heruntergekommenen Behausungen. Es ist erschreckend zu sehen, dass in "God‘s own country" so viel Armut herrscht. Wir campen, übernachten - wenn es regnet - in billigen Motels, und finden zwischendurch Herberge bei Mitgliedern des „warmshowers-Netzwerks“. Dadurch bekommen wir wieder einen Einblick in einen Querschnitt der sozialen Schichten Amerikas - von Reich bis Arm – doch die Gastfreundschaft ist überall gleich: riesig und großzügig! Im Norden umfahren wir Houston und befinden uns mit einem Mal in dichtem Wald. Regenwolken und Gegenwind begleiten uns. Radfahrer "fliegen" uns entgegen (siehe getroffene Radler) und wir stoppen auf ein Pläuschchen. Die Straßen sind klein und gemütlich, bis wir in den Großraum von Baton Rouge kommen. Hier kommen wir bei Mark unter, dem größten Radfreak und –aktivist der Stadt. Wir bleiben einen Regentag lang und es ist eine richtige Erfrischung mit einem so gut denkenden Menschen einfach mal ab zu hängen :-) 











03.02.2012, Canyon Lake (Texas): Wir rollen hinaus aus El Paso und sind mit einem Schlag zurück in der trockenen texanischen Halbwüste. Die Straßen sind lange und gerade, die kleinen Orte schäbig und trostlos. Die flach wellige Landschaft ist übersät mit stacheligen Sträuchern, stacheligem Buschwerk und Kakteen so weit das Auge reicht. Tausende Kilometer sind wir ohne Platten unterwegs gewesen, doch hier in Texas erwischt es uns schlimm und ständig sind wir am Reifenflicken und Dornen-Entfernen. Zäune säumen die Straße und Wild-Zelten ist unmöglich. Wir nehmen Campingplätze, schlafen in billigen Motels und kommen da und dort bei Leuten unter – manchmal in wunderschönen großen Häusern, dann wieder in schmuddeligen Buden, wo wir im Innenzelt am Boden schlafen (da dieser so schmutzig ist). Nach Van Horn zweigen wir in die Davis Mountains ab, wo wir die 20 prozentige Chance auf Niederschlag zu 100 Prozent ausnutzen und den gesamten Tag in dichtem Schneefall radeln. Es ist eisig kalt, die Straße rutschig und wir fühlen uns zurück versetzt in den Oktober 2006, als wir bei Schneefall und Regen durch Skandinavien und Osteuropa geradelt sind (siehe Europa). Wir übernachten beim Mc Donald Observatorium, wo uns John eine Tour gibt und wir uns trocknen und aufwärmen können. Am nächsten Tag scheint wieder die Sonne und sobald wir die Berge verlassen haben befinden wir uns zurück in staubtrockener Wüste und der Schnee des Vortags ist schnell vergessen. Wir treffen wieder andere Radler am Weg (siehe getroffene Radler) und nach langen Etappen gegen den ständigen Südostwind kommen wir nach Del Rio. Durch eine Wolke aus Frittösenfett a la Mc Donald rollen wir durch die kleine Stadt. Hier sind wir im tiefsten Klischeeamerika gelandet: übergroße Autos, überdicke Menschen, überdimensionale Supermärkte und überhaupt keiner fährt Rad. Als wir die Stadt verlassen, wird die Landschaft grüner. Wie mit einem Schlag sind wir aus der Wüste draußen. Bäume säumen die Straße und das Gras wird immer grüner. Der Einfluss des Golfs von Mexiko ist jedoch nicht nur auf der Erde, sondern auch am Himmel bemerkbar. Morgens ist es nebelig, nachmittags ziehen Gewitter auf und so manches Mal strampeln wir durch starke Niederschläge. Unser Weg führt uns durch eine ungemein hügelige Landschaft. Hügelig genug um seit langem wieder eine der höchsten Maximalgeschwindigkeiten unserer Reise zu erreichen, 76,60 km/h (siehe Superlative). Bei Canyon Lake stoppen wir bei Joe und Ellen die uns in ihrem wunderschönen Haus herzlich aufnehmen, und wir nach langen Tagen auf der Straße pausieren. 










22.01.2012, El Paso (Texas): Es ist ein langer Weg durch die Stadt hinaus aus Phoenix, doch dann sind wir mit einem Schlag wieder mitten in der Wüste. Verschiedenste Kakteenarten und niedriges Buschwerk prägen das Landschaftsbild. Es geht durch Hügel, über weite Ebenen, bis wir nach Safford richtig in die Berge kommen. Die Tage sind nun ausgefüllt mit langen Anstiegen und herrlicher Aussicht. Sind wir bisher nur in Sonnenschein gefahren, bricht eines Nachts (als wir auf einem Rastplatz neben der Straße zelten) der Himmel über uns zusammen. Der darauf folgende Tag, an dem wir über einen hohen Pass müssen, ist ein kalter, windiger, nebeliger und nasser Regentag, wie er schlechter nicht sein kann. Dann ist der Spuk mit einem Mal vorbei und wir sind wieder zurück im Normalwetterzustand - hier gibt es über 300 Sonnentage pro Jahr. Je höher wir kommen, desto eisiger wird es. Nachts hat es etliche Grade unter Null und tagsüber erwärmt sich die Atmosphäre nur langsam bis zu einer angenehmen Radfahrtemperatur. Sobald die Sonne hinter den Bergen verschwindet purzeln die Grade wieder ins Negative. Die Straße durchs Gebirge ist einsam, Verkehr gibt es kaum. Es geht Pässe hoch und wieder runter. Oben dehnen sich weite Pinienwälder aus und es riecht herrlich nach Harz. Rehe springen über die Straße, Wildschweine (Javelinas) laufen durch den Wald. Aus vorbeifahrenden Autos wird gegrüßt und gewunken. Wir haben wieder wunderbare Begegnungen mit Menschen, die uns aufnehmen, bekochen und bei denen wir uns am Kaminfeuer wärmen können. Wir radeln über den Emory Pass, der mit 2501 Metern der höchste Pass unserer USA West-Ost Durchquerung ist. Weit sieht man nach Osten und sobald wir die kurvige Straße hinuntergesaust sind, befinden wir uns wieder in baumloser, trockener Steppenlandschaft. Zügig geht es voran durch nun flaches Land. Hier gibt es nicht nur Rinderzucht und Baumwollfelder, sondern auch Plantagen von Pekannußbäumen, die für uns einen guten Windschutz in der sonst baumlosen Landschaft bilden. Nach langer Fahrt kommen wir nach El Paso, an der mexikanischen Grenze. Wir stoppen bei Kamala und Charls für einen Tag, genießen die Gastfreundschaft, lagern die Beine hoch und arbeiten an unserer Webseite und der weiteren Route... 













11.01.2012, Phoenix (Arizona): Wir rutschen leise und gemütlich mit unseren Freunden in Los Angeles ins neue Jahr, da wir mit vier Jungeltern feiern, die alle an Schlafmangel leiden. Dann ist es an der Zeit, aufzubrechen. Erstmalig in der Geschichte unserer Reise (seit 2006) fahren wir eine Tagesetappe zum zweiten Mal! Es geht von L.A. der Küste entlang nach Carlsbad, wo wir (wie schon vor über zwei Jahren, als wir von Alaska nach Patagonien unterwegs waren) bei Steve und seiner Familie unterkommen. Dann wenden wir uns nach Osten und schlagen neue Wege ein. Über jede Menge große Hügel und wenige kleine Orte wie Julian und Pine Valley kommen wir in trockene wellige Steppenlandschaft. Dabei begleitet uns wolkenloser Himmel. Die Nächte sind eisig kalt mit Temperaturen gut unter null. Tagsüber wird es angenehm warm, doch fahren wir seit wir die Küste verlassen haben kein einziges Mal kurzärmlig. Baumwollfelder säumen die Straße. Die Orte sind teils heruntergekommen, teils werden neue Viertel gebaut, in denen die Pensionisten aus dem Norden ihre Alterssitze errichten, teils sind die Zentren fest in mexikanischer Hand, alles ist auf Spanisch angeschrieben und wir werden von Neugierigen auf Spanisch angeplaudert. In den ausgedehnten Wüsten Kaliforniens und Arizonas stellen wir es uns einsam vor, jedoch die Wüste lebt. Kolonien von Wohnwägen und Wohnmobilen breiten sich über die Landschaft aus. Die "Snowbirds" (Pensionisten, die der Sonne folgend jedes Jahr mit autobusgroßen Wohnmobilen und PKW im Schlepptau von Nord nach Süd und wieder zurück fahren) sind bereits gelandet und belagern das weite Nichts. Wir fragen uns, was sie hier eigentlich machen und womit sie sich die Zeit vertreiben? Weiters wundern wir uns über gewisse Freizeitbeschäftigungen, die die Leute hier ausüben: mit ATV’s und anderen geländegängigen Kleinfahrzeugen fährt man auf "unseren" Schotterstraßen und auf den paar Sanddünen des Landes – mit erstaunlicher Ausdauer - herum. Zu Fuß oder per Rad sehen wir so gut wie niemanden. Doch alle Leute, die wir am Weg treffen und kennen lernen, sind unglaublich freundlich und es tut gut, wieder die Gastfreundschaft der USA genießen zu dürfen. Über die warmshowers.org Webseite (Radfahrer beherbergen Radfahrer) lernen wir unzählige nette und offene Menschen kennen, die mit dem Klischeeamerikaner nichts gemein haben. Wir zelten neben der Straße hinter Büschen unter den Sternen, auf Campingplätzen für "Snowbirds" und bei der Feuerwehr. Wir übernachten in ehemaligen Kinderzimmern mit Stofftieren, im Raum hinter einem Fischereigeschäft, bei einem Grenzbeamten, der im Irak verwundet wurde, bei Katzenfreunden neben dem Katzenklo... In welcher sozialen Schicht wir auch immer unterkommen, die Freundlichkeit, mit der wir aufgenommen werden, ist überall gleich. Wir kommen nach Phoenix, der ersten richtigen Stadt seit wir den Großraum von Los Angeles verlassen haben. Bei Tracy und Jan pausieren wir für einen Tag in der Großstadt... 










31.12.2011, Los Angeles (Kalifornien): Am 24.12. feiern wir vormittags gemeinsam mit M@x (www.x-sound.at) Philipps Geburtstag in Ho Chi Minh Stadt, danach erleben wir Weihnachten. Weihnachten in Vietnams größter Stadt ist anders. Bis zum Anschlag aufgedrehte Musikanlagen und krachende Lautsprecher hämmern amerikanische Weihnachtslieder, asiatisch-rhythmisch hinterlegt, durch die Gassen. Plastikchristbäume wachen überall und bestechen durch die hässlichsten Farben. Lichterketten flackern an den Christbäumen, in Auslagen, Bars und Restaurants. Je später die Stunde, desto dichter sind die Straßen mit Mopeds gefüllt auf denen ganze Familien in die Innenstadt pilgern, desto geschwängerter ist die Luft mit Abgasen und desto betäubender der allgemeine Lärmpegel. Kinder laufen in Santa Claus Kostümen herum. Es gibt Zuckerwatte und geröstete Insekten. Jahrmarktstimmung in der "Schrillen Nacht". Nachdem wir uns genug ins Geschehen gestürzt hatten, essen wir Weihnachtspizza auf einem Restaurant-Balkon und sind fasziniert vom skurrilen Treiben unten auf der Straße. Am nächsten Tag ist der Weihnachtsspuk vorbei und wir packen unsere sieben Sachen. Wir wechseln ein weiteres Mal den Kontinent und mit einem Zwischenstopp in Seoul landen wir am Flughafen von Los Angeles. Wie schon vor zwei Jahren werden wir von unseren Freunden Marlies und Setso beherbergt, die mittlerweile Nachwuchs bekommen haben; Milo hält sie seit neun Wochen auf Trapp. Wir genießen die Ruhe und den Schlaf ohne Ohropax, die klare kühle Seeluft, die Küste, die gepflegte Stadt und Neujahr mit den Metodi’s. Noch ein paar Tage organisieren, dann brechen wir auf nach Miami... 











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