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ZURUECK ZUM HAUPTMENUE

--- News und Berichte ---

 

Nr.III: AFRIKA NORD

04.04.2007 bis 17.09.2007 (Aequator)

 

17.09.2007, Nanyuki (Kenia): Wir verlassen Addis in Richtung Sueden. Komischerweise erwischen uns die Niederschlaege nie wenn wir am Rad sitzen :-) Wir stoppen fuer einen Tag in Awassa - unserer Meinung nach die am meissten relaxte Stadt in Aethiopien. Danach gehts so richtig zur Sache. Es ist extrem huegelig (physisch anstrengend) und es gibt ueber Tage keine Minute (wir haben jede Sekunde mitgestoppt) ohne dass uns mindestens zehn bis hundert Kinder You-You-Youend hinterherlaufen (psychisch anstrengend). Trotzdem wirken die Menschen hier viel weniger aggressiv als im Norden des Landes. Kein einziger Stein wird geworfen! Die letzten drei Tage vor der kenianischen Grenze wird es trocken und es ist nur noch sehr duenn besiedelt - was fuer eine Erholung. Die Grenzabwicklung ist unproblematisch. Linksverkehr und der Asphalt endet. 534 Kilometer Schotterpiste von feinster kenianischer Machart - das ist der "Trans East African Highway". Grober Schotter, feiner Schotter, grosse Steine, kleine Steine, Sand und Staub. Zum Fahren ist die Strecke mit dem Fahrrad kaum. An unserem schlechtesten Tag hatten wir einen Schnitt von 6 km/h und abends gerade 50 Kilometer zurueckgelegt. Dazu kommen permanenter starker Gegenwind, hunderte von Tse-Tse-Fliegen, die uns um die Ohren fliegen und die Hitze der Wueste mit ueber 40 Grad. Nur wenige kleine Doerfer am Weg, wo wir Wasser und die noetigsten Lebensmittel bunkern und bei Missionen oder Schulen uebernachten. In der Mitte der Strecke liegt Marsabit. Hier stoppen wir fuer zwei Tage und schuetteln die Beine aus. Dann geht es weiter ueber die endlose Wellblechpiste. Nach insgesamt 10 Tagen erreichen wir Isiolo und die Strasse ist wieder asphaltiert. Die Menschen am Weg sind freundlich und verglichen mit Aethiopien ist das Rollen durch Orte und Doerfer fast Urlaub. Die Idee auf den Mt. Kenia zu steigen, verwerfen wir aufgrund des permanent schlechten Wetters um den Berg - jeden Tag haeftige Regenfaelle - und fahren weiter nach Sueden. Bei Nanyuki ueberqueren wir den Aequator. Vom Nordkap bis hierher sind es 15.000 Kilometer :-)

  

  


23.08.2007, Addis Ababa (Äthiopien): Seit ein paar Tagen sind wir wieder zurück in Äthiopien bei Familie Schmidt (http://www.schmidt-familie.net/) und bastelnan unseren Rädern - eine kleine Runderneuerung. Wir geniessen den afrikanischen Flair von Addis und besuchen  das "Zentrum für geistig behinderte Kinder" ("Center for Mentally Challenged Children"), in dem Christoph Schmidt arbeitet (siehe Hilfe für Afrika). Die Regenzeit ist noch nicht zu Ende (wie wir es uns gewünscht hatten) und nach wie vor gehen enorme Regengüsse oft stunden/tagelang nieder und überschwemmen alles. Trotzdem flammt in uns das Reisefieber und wir werden morgen in Richtung Süden aufbrechen. Noch 800 Kilometer "You, you, you..." bis zur kenianischen Grenze...

   


10.08.2007, Graz (Österreich) - "Urlaub": In Äthiopien prasselt tagelang der Regen - die Regenzeit hat begonnen. Kurzentschlossen hauen wir ab, lassen die Niederschläge hinter uns. Wir arbeiten einen Monat, um unsere Reisekasse etwas aufzubessern und stoppen zu Hause in Österreich, um ein besonderes Fest im Kreise unserer Familien und Freunde zu begehen: wir heiraten am 04.08.2007 in Graz :-) Am 15. August geht es wieder nach Addis - wir hoffen auf das Ende der Regenzeit - und werden weiter nach Süden radeln. Jetzt ist unsere Weltreise doch zur Hochzeitsreise geworden...

 

   


13.06.2007, Addis Ababa (Äthiopien): Nach gemütlichen Tagen verlassen wir die Stadt Gondar in Richtung Süden. Die Strasse ist gut. Plötzlich kommt uns ein Solo-Radler entgegen (siehe getroffene Radler). Es ist Alvaro aus Spanien, von dem wir bereits gehört hatten. "Äthiopien, das ist die Hölle!", sagt er, "Jeden Tag schmeissen mir Kinder Steine hinterher. Ich bin froh, dass ich bald raus bin! Viel Glück euch beiden." Ja, Äthiopien hat sich unter den Langstreckenradreisenden einen verdammt schlechten Ruf erarbeitet. Niemand möchte hier sein, aber es ist zur Zeit die einzig mögliche Nord-Süd-Strecke im Osten Afrikas. Steinewerfende Kinder, mit Stöcken drohende Jugendliche, an Radtaschen zerrende Halblinge. Ständig dieses aufreibende "You! You! You!" und "Give me... money, pen, T-shirt!" und das gekreischte oder gebellte "Farengi! Farengi!", was soviel bedeutet wie "Ausländer" oder "Weisser Neger". Jeder bettelt. Zum "Gruss" wird fordernd die Hand aufgehalten: "Give money!", "Give pen!", "You! Give...!" Das Fahren durch Orte ist ermüdend. Horden von Kindern schreien "Youyouyouyouyou... Farengi! Give me... Give me... Give me...!!" "YOU! YOU!" bellt es noch von weit hinten. Noch besser gefällt uns die deutsche Übersetzung: "DU! DU! DU! Weisser Neger! Gib Geld! Neger! Gib!! Gib!! DUDUDUDU...! Geld! Geld!" und das aus hundert Kehlen... Ja, es ist nervig! Und es ist vor allem traurig zu sehen, dass Entwicklungshilfe leider zum Teil auch negative Auswirkungen hat und aus einem stolzen Volk ein Bettelvolk machen kann. Bildung ist das, was diesem Land am meissten fehlt. Vor allem im Umgang miteinander und gegenüber Fremden. Schlägereien mitten am Dorfplatz, die - weil zu alltäglich - niemanden sonderlich interessieren oder ein paar Steinwürfe, um Kinder zu vertreiben, gehören hier zum Alltag. Kein Wunder, dass Kinder, denen ein "Farengi" keinen "Pen" gibt, einen Sein aufheben, um ihn dem "Weissen Neger" nachzuwerfen... Wir hatten zugegeben Bedenken und auch Angst, nach Äthiopien zu kommen, da die Liste negativer Erlebnisse von Radreisenden lang ist. Die Taktiken, mit denen RadfahrerInnen auf die Kinderhorden zugehen, variieren. Die einen setzen auf den Knüppel, den sie dabei haben, um die lieben Kleinen vom Drahtesel fern zu halten. Die anderen knallen sich den MP3-player in die Ohren und versuchen es mit "Augen zu und durch". Wir setzten auf Lachen, Winken und Quatschen. Auch verzichten wir auf die Sonnenbrillen - so haben wir mehr Augenkontakt zu allen rundum. Fast jeder wird gegrüsst und zum Zurückwinken gezwungen. Bei 'Nach-Steinwerfern-aussehenden-Kindergruppen' werden wir langsamer und versuchen sie in Gespräche zu verwickeln. Zu über 90 Prozent funktioniert das auch. Manchmal ergeben sich richtig nette Plaudereien zwischen uns und den kilometerlang mitjoggenden Kindern und Jugendlichen. Erst fünf mal wurde bisher ein Stein nach uns geworfen und die positiven Erfahrungen und Eindrücke die wir mit den Menschen hier in Äthiopien gemacht haben überwiegen bei weitem den schlechten. Wir haben mit dem Schlimmsten gerechnet und wurden positiv überrascht! Jedoch ist es wirklich schade, dass die andauernde Bettelei und die manchmal agressive Art der Kinder einem die Augen mit Wut verschliesst vor der Schönheit des Landes und den freundlichen Menschen, von denen es hier auch sehr viele gibt. Unser Weg führt uns nach Bahir Dar, wo wir einen Tag pausieren und per Boot am Tana See unterwegs sind, um einige Klöster zu besichtigen. An den nächsten Rad-Tagen windet sich die Strasse bergauf und bergab über unzählige Hügel bis sie steil 1500 Höhenmeter in die Nilschlucht hinunterfällt. Es wäre wohl die grossartigste Abfahrt des Landes, wenn es nur eine Asphaltdecke geben würde! 22 Kilometer hinunter und auf der gegenüberliegenden Seite wieder 20 Kilometer steil bergauf, und das auf einer ungemütlichen, staubigen Schotterpiste. Wir brauchen einen ganzen Tag! Wieder am Asphalt führt die Strasse noch höher, bis auf über 3000 Meter! Das Klima ist kühl und angenehm. Vergessen sind die 50 Grad der sudanesischen Wüste. Voller Freude stellen wir fest: Es ist 'Sockenzeit'! Die nachmittäglichen Gewitter (die Regezeit beginnt gerade) gehören zur Tagesordnung. Daher starten wir täglich mit dem Hellwerden um 06:00 Uhr morgens. Das hat mehrere Vorteile: Wenn es nachmittags zu regnen beginnt sind wir bereits am Ziel, die ersten zwei Stunden am Rad sind die Strassen fast kinderfrei und die Erwachsenen noch am Schlafwandeln. So erreichen wir nach langer, anstrengender Fahrt (nicht nur körperlich, sondern vor allem auch mental) die Hauptstadt Addis Ababa, wo wir bei den Schmidts (eine sechsköpfige deutsche Familie) zu Gast sind und die europäische Mentalität geniessen...

 

   


28.05.2007, Gondar (Äthiopien): Wir verlassen Khartoum in Richtung Süden. Zum ersten mal im Sudan ist richtig viel Verkehr. Hauptsächlich Busse und LKWs, die mit ihren 12 Achsen an die australischen Road-Trains erinnern. Nur manchmal wird es eng, wenn ein Bus glaubt einen entgegenkommenden LKW überholen zu müssen, obwohl wir gerade von einem Minibus überholt werden. Aber im grossen und ganzen verhält sich der Schwerverkehr uns gegenüber sehr fair und es wird grossräumig ausgewichen, aus den Fenstern gewunken und lachend die Daumen herausgestreckt. Zweimal kommen uns Radler entgegen und wir tauschen Geschichten aus (siehe getroffene Radler). Die sudanesische 'Hotelkultur' auf dieser Strecke ist unter jeder Kritik. Kakalakenversäuchte Grindbuden mit zum Himmel stinkenden Latrinenlöchern. Wir sind froh, als wir endlich zur äthiopischen Grenze hin abzweigen. Beinahe null Verkehr und das Land ist fast unbesiedelt und eignet sich gut zum Zelten. Die Temperaturen bewegen sich um die 45-50 Grad. Es ist ungemütlich heiss, aber in Richtung Äthiopien gibt es immer mehr Wolkenbildung. Die letzte Nacht auf der sudanesischen Seite zelten wir gemütlich in einem Wäldchen aus stacheligen Bäumen. Immer mehr Wolkentürme bauen sich auf. Nachem wir schon seit Monaten keinen Regen mehr hatten, nehmen wir das Geschehen am Himmel nicht besonders ernst. Kurz darauf bricht ein wilder Gewittersturm über uns herein. Einmal über der Grenze wird das Land immer grüner und die nachmittäglichen Gewitter immer häufiger. Dafür wird es auch mit jedem Kilometer merklich kühler. Wir strampeln auf einer Schotterpiste die ersten 200 Kilometer in Äthiopien Richtung Gondar. Über Nacht stoppen wir in kleinen Dörfern und klettern unter Tags immer höher auf das äthiopische Hochland - bis auf 2500 Meter - hinauf. Kinderscharen verfolgen uns kreischend und schreiend, wenn wir mit 5 km/h bergauf durch Orte aus Rundhütten schnaufen. Seit wir über der Grenze sind, hat sich die Mentalität der Bevölkerung stark verändert. Das freundliche "Hello! How are you? Welcome!" wird zu einem gebellten, lauten "You!" bei den Erwachsenen und bei den Kindern zu einem endosen "Youyouyouyouyouyouyou...", um unsere Aufmerksamkeit zu erhaschen. Gegrüsst wird in der Regel erst als Antwort auf unser Grüssen. Nur ganz selten winken die Äthiopier als erste. Dafür wird gebettelt. Ungeniert und permanent. Omis, Opis, Mamis, Papis und natürlich die Scharen von Kindern, alle halten sie die Hände auf, wenn die weissen Radler schweissgebadet und keuchend über die Schotterpiste hoppelnd bergauf schleichen. Man hätte gerne "money!", "pen!", "T-shirt" und "Highland!" (das lokale Mineralwasser) - also alles, was wir in rauen Mengen zum Verteilen dabei haben. Kaum motorisierter Verkehr auf der Strasse. Hier läuft man zu Fuss. Auch das Rad scheint noch nicht erfunden zu sein. Alles wird getragen. Die Baumstämme, Brennholz, Wasserkanister, der Pflug zum Feld, kleine Tiere, wie zum Beispiel Hennen zum Markt ins 10 Kilometer entfernte Dorf. Nur das Grossvieh darf selber gehen. Herden von Kühen, Schafen und Ziegen werden über die und auf den Strassen getrieben. Auf der Landstrasse unterwegs zu sein, ist oft mit einem Hindernislauf zu vergleichen. Kurz vor Gondar beginnt wieder Asphalt - Oh Jubel, oh Freud! Wir werden vom belgischen Pärchen Lea und Kobe buchstäblich von der Strasse aufgelesen. Zwei Radler, die hier hängen geblieben sind (siehe getroffene Radler) und mithelfen, ein Waisenhausprojekt aufzubauen (siehe Hilfe für Afrika). Es ist erschreckend wie viele Strassenkinder und Bettler es in dieser kleinen Stadt gibt. Die Armut Äthiopiens ist immer und überall gegenwärtig...

  

 


14.05.2007, Khartoum (Sudan): Bereits am spaeten Vormittag sitzen wir am Oberdeck der Passagierfaehre von Assuan (Aegypten) ueber den Nasser Stausee nach Wadi Halfa (Sudan). Mittags soll das Boot ablegen. Eine Illusion! Bis alles (Kisten, Schachteln, Saecke und Menschen) geladen ist und zum Ablegen in herbem Ton durch die Lautsprecheranlage geschrien wird, ist es 17 Uhr 30. An Deck stapelt sich alles, was sich ueber die letzten Stunden hier angesammelt hat. Jedes Gepaeckstueck hat einen Platz gefunden. Die Menschen liegen, hocken und sitzen in den unmoeglichsten Positionen dazwischen. Auch wir! Die Leute sind wirklich freundlich und fuettern uns die halbe Nacht mit ihrem Proviant. Die zweite Haelfte versuchen wir je auf einem halben Quadratmeter zu schlafen. Morgens tuckern wir vorbei am Tempel von Abu Simbel und legen gegen Mittag am Anleger von Wadi Halfa an. Wieder Warten! Drei Stunden spaeter duerfen wir das Schiff verlassen. Die Einreise in den Sudan ist erstaunlich unkompliziert – niemand moechte unsere Raeder in eine Roentgenanlage stecken und nicht einmal in die Taschen wird geschaut. Wilkommen im Sudan! Wir uebernachten im Wadi Nil Hotel - Sandboden, aus den Matratzen quillt die Fuellung, kein Ventilator. Es ist zum Verruecktwerden heiss! Der naechste grosse Ort am Weg ist Dongola, 450 Kilometer entfernt. Dorthin fuehrt eine Strasse, die keine Berechtigung hat als solche bezeichnet zu werden. Es ist ein Piste, varierend zwischen Sand, Wellblech und Steinen. Gut zu fahren ist sie nie. Sieben Tage sind wir mit diesem Stueck beschaeftigt. Im Schnitt schaffen wir 64,4 Kilometer pro Tag – am besten Tag 81 und am schlechtesten gerade mal 40. Wir fahren, schieben, zerren die Raeder Richtung Sueden. Die ersten zwei Tage durch Wueste, dann sind mir am Nil und es gibt mehr Moeglichkeiten Schatten und Wasser zu finden. Die Temperaturen sind mittlerweile in den hohen 40er Graden angesiedelt und ab dem fruehen Nachmittag ist es fast unmoeglich mit “Rad durch den Sand schieben” weiterzumachen. Wir pausieren und kuehlen uns mit einem Bad im Nil ab. Ab dem zweiten Tag kommen wir immer wieder durch kleine, wunderschoene Orte. Es gibt Wasser – meisst truebe Nilsuppe – und kleine Kioske. Die Menschen im Sudan sind extrem freundlich. Staendig werden wir zum Tee eingeladen, gefragt ob wir Hunger haben, zweimal uebernachten wir bei Familien, die uns abends von der “Strasse” auflesen. Auch haben wir nicht mehr das aegyptische Gefuehl, staendig Touristenpreise zu bezahlen. Und seit wir in Wadi Halfa von der Faehre gestiegen sind, sehen wir ploetzlich wieder Frauen. In Geschaeften, auf den Strassen und im Lokal. Es tut gut, wieder in einer scheinbar liberaleren Gesellschaft zu sein. Nach sieben Tagen Staub schlucken und einer Piste, die von uns und den Raedern alles abverlangt hat, erreichen wir Dongola, den ersten richtigen Ort an der Strecke nach Khartoum. “Where are you coming from?” rufen uns die Leute nach. “We come from hell!” geben wir lachend zur Antwort. Nach einem Tag Pause treten wir wieder in die Pedale. Wir wissen, dass die Strasse auf den naechsten 200 Kilometern in Bau, und nicht gut zu fahren ist. Danach kommt endlich 350 Kilometer Asphalt. Wir sind viel schneller als erwartet. Ein stuermischer Rueckenwind fegt uns den Sand um die Ohren und blaest uns in nur 3 Tagen durch die Wueste nach Khartoum. Hier in der Hauptstadt treffen wir auf die allgegenwaertige sudanesische Hitze, Staub und chaotischen Verkehr. Allerdings auch auf Aircondition, wasserfuehrende Duschen und eine Freundin aus Thessaloniki, die uns fuer ein paar Tage diesen Luxus ihrer Wohnung geniessen laesst. Wenn wir das ethiopische Visum in unseren Paessen haben, werden wir weiterfahren…



29.04.2007, Assuan (Aegypten): Nach einer kurzen Fahrt von nur zwei Tagen erreichen wir Assuan, unseren suedlichsten Punkt in Aegypten. Der einzige Weg in den Sudan ist die woechentliche Faehre ueber den Nasser Stausee. Nach vielen Schwierigkeiten Tickets zu bekommen, haben wir diese nun endlich in der Tasche. Unser letzter Abend in Aegypten. Morgen sind wir bereits am Weg neuen Ufern entgegen. Hunderte Kilometer sandige Piste vor uns und die Temperaturen bewegen sich bereits in den 40ern...

  


25.04.2007, Luxor (Aegypten): Nachdem die Sphinx (mit tausenden anderen Touristen) zur Genuege betrachtet, Philipps Zahnkraenze gewaechselt sind und das sudanesische Visum in der Tasche ist, brechen wir von unserem erholsamen Vorortdomizil in Kairo zur naechsten grossen Etappe "Kairo-Kapstadt" auf. Es ist windig. Nach den ersten Kilometern weht es den Sand durch die Gassen und Minuten spaeter fegt ein orkanartiger Sandsturm ueber das Land. Radfahren ist unmoeglich und nach insgesamt 20 Kilometern sind wir wieder nach eineinhalb (!) Stunden erschoepft und sandverkrustet am Ausgangspunkt. Der zweite Start - einen Tag spaeter - gelingt besser, wir rollen locker dem Roten Meer entgegen. Rueckenwind treibt uns zuegig die Kueste entlang nach Sueden. Wir erreichen Hurgada. Wahrscheinlich einst ein herrlicher Strand in phantastischer Wuestenlandschaft. Heute eine Ansammlung von Touristenbunkern und halbnackt durch die Stadt stolzierenden Badetouristen. Daneben verschleierte Frauen und Maenner in Kutten. Da prallen zwei Welten aufeinander! Wir nehmen reiss-aus und fluechten in die Wueste. Ruhige Naechte unter sternenklarem Himmel. Jedoch die Hitze untertags steigt schon beinahe ins Unertraegliche. Polizeikontrollen. Eine nach der anderen. Am Sinai waren sie laestig. Am Roten Meer lustig. Und zwischen Hurgarda und Luxor muehsam. Touristen-Konvoipflicht auf der gesamten Strecke. Wir starten absichtlich genau nachdem der Konvoi abgefahren ist. Stop! Paesse herzeigen. Valeska uebernimmt die Jungpolizisten-Gruppe. Unverschaemt einfaeltiges Glotzen auf der einen Seite, kalte Schulter auf der anderen. Philipp kuemmert sich um den Meister persoenlich - der waere heute wohl auch lieber ein Jungpolizist :-) Es wird diskutiert und nach vielen Malen, "Egypt people are best people - my friend!" , nettes Laecheln, "My friend - no problem with bicycle in Egypt." und "We never went in convoi - my friend.", gibt er uns die Paesse zurueck und wir duerfen ohne Polizeibegleitung weiterrollen. Entgegen kommen uns hunderte Meter lange Konvoischlangen aus Bussen, Minibussen und Taxis, bis wir Luxor erreichen. Da erwartet uns ueppige Vegetation: Palmen, Blumen, gruene Felder. Wir sind am Nil, raus aus der Wueste.

   

Hier sind wir zu Gast im Hotel "Villa Al Diwan" - eine Einladung des Managers. Eine luxurioese Oase mit Nilblick, weg von den Touristenmassen der Stadt in einem Dorf am Westufer gelegen. www.al-diwan.fr

   


11.04.2007, Kairo (Aegypten): Wir sausen von Jerusalem 1200 Hoehenmeter bis zum Toten Meer hinunter. Nach den kuehlen Tagen in Israels Hauptstadt drueckt es uns nun auf -400 Metern Seehoehe gehoerig den Schweiss aus allen Poren. Israel ist mit Abstand das Land, in dem wir die meissten Hoehenmeter in kuerzester Zeit fahren. Nach einem Bad im Toten Meer, was eher an das Einlegen von Gemuese in Salzlauge erinnert, geht es wieder 1200 Meter auf die Hochflaeche hinauf. Es ist trocken und warm und wir wandern einen Tag durch Schluchten und Canyons. Unsere ersten Wuestenstuerme sitzen wir zu Gast in einer Oasen-Uni (Ben Gurion) ab, dann radeln wir hinunter nach Eilat ans Rote Meer. Visum fuer Aegypten haben wir (noch) keines. In Amman und in Tel Aviv hat man uns versichert, dass wir keines brauchen. Wir haben das nicht geglaubt, und trotzdem in Amman einen halben Tag aufgewendet, um zur aegypt. Botschaft zu fahren. Dort hat man uns kein Visum gegeben ("Bekommt ihr an der Grenze!") und wieder fortgeschickt. In Eilat heisst es nun, dass wir auf alle Faelle ein Visum brauchen, also geht wieder ein Tag verloren! Eilat ist uebrigens eine fuerchterliche Stadt - ein Gemisch aus Miami Beach und Hausmeisterstrand in Italien. Bevor wir am 04.04.2007 den aegyptischen Grenzbalken passieren duerfen, wird unser Gepaeck bis ins kleinste Detail auseinandergenommen und wir muessen erklaeren, was eine Kettenniete und ein Ersatzschlauch sind und was man damit macht. Am Sinai waehlen wir die Wuestenstrecke im Norden. Wunderschoene menschenleere Landschaft und kaum Verkehr! Nur wir, unsere surrenden Raeder, die Sonne (die wird schoen langsam immer mehr zu unserem Feind) und ...SANDSTUERME! "Khansim" heissen diese Stuerme mit bis zu 150 km/h Windgeschwindigkeit, die vor allem im Maerz und April vorkommen. Das nennt man Timing! Vier gibt es im Schnitt pro Monat. Zwei davon duerfen wir bereits miterleben. Der erste beginnt am Nachmittag und wir wollen ins Zelt fluechten. Bei ca. 35 Grad und heissem Wind hat es im Zelt backovenaehnliche Zustaende, deshalb ziehen wir es vor, bis zum Sonnenuntergang neben dem Zelt im Sandsturm zu hocken. Auch der zweite Sturm erwischt uns unterwegs. Es ist fast unmoeglich zu fahren, aber wir schaffen es noch bis Suez zu einem Hotel mit kalter Dusche, um die Panier (Sonnencreme+Sand+Strassenschmutz) abzuwaschen. Seit drei Tagen sind wir in Kairo und haben uns bisher fast ausschliesslich auf Botschaften herumgeschlagen. Von Oesterreich brauchen wir ein Empfehlungsschreiben, von Sudan und Ethiopien ein Visum. Das braucht eben seine Zeit...

   

   


  

   

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